Ein Konflikt ist das Aufeinandertreffen von unvereinbaren Interessen, Zielen oder Wertvorstellungen und häufig Anlass für Bürgerbeteiligung.
Konflikte können die Umsetzung von Projekten erschweren und Entscheidungen verzögern oder verhindern. Das gilt insbesondere für Maßnahmen, die – subjektiv empfunden oder objektiv feststellbar – die persönlichen Lebensumstände, bestimmte Wertvorstellungen oder das Wohnumfeld von Betroffenen beeinflussen. Konflikte können sich stufenweise zuspitzen. Mit jeder Stufe sinkt die Fähigkeit der Akteure, den Konflikt eigenständig zu lösen, während der potenzielle Schaden wächst.
Der österreichische Konfliktberater Friedrich Glasl hat in einem neunstufigen Eskalationsmodell beschrieben, wie sich Konflikte verschärfen können.
Win-Win (Stufen 1–3): Verhärtung der Standpunkte, zunehmende Konfrontation, vollendete Tatsachen statt Dialog.
Auf diesen Ebenen können die Konfliktparteien zunächst allein, später mit externer Unterstützung noch selbst eine Lösung finden. Geeignete Maßnahmen sind:
- Frühzeitige Information, z.B. durch Infomärkte, offene Sprechstunden, Projektsteckbriefe und -websites.
- Herstellung von Transparenz, z.B. durch Offenlegung von Entscheidungswegen und -prozessen; Visualisierungen.
- Schaffung einer gemeinsamen Wissensbasis, z.B. durch Expertenhearings, Faktenchecks, gemeinsame Ortsbegehungen.
- Von neutralen Prozessbegleitern moderierte Dialogformate wie Runde Tische oder Zukunftswerkstätten.
- Vertrauensaufbau, z.B durch persönliche Ansprechpartner.
Win-Lose (Stufen 4–6): Koalitionsbildung, Dämonisierung des Gegenübers, Drohstrategien.
Wenn die direkte Kommunikation zwischen den Parteien nicht mehr funktioniert, muss eine allparteiliche Stelle vermitteln, z.B. in Form einer professionellen Mediation. Durch gezielte Einzelgespräche, getrennte Sitzungen („Pendeldiplomatie“) und Kleingruppenformate in einem geschützten Rahmen können sich die betroffenen Gruppen Gehör verschaffen.
Lose-Lose (Stufen 7–9): Der eigene Schaden wird in Kauf genommen; er ist am Ende gleichgültig; Ziel ist allein die Vernichtung des Gegners, notfalls um den Preis des eigenen Untergangs.
Bürgerbeteiligung ist jetzt nicht mehr möglich, stattdessen bedarf es eines Machtworts durch Gerichte, Behörden oder politische Entscheidungsträger, die den Konflikt durch verbindliche Entscheidungen (vorerst) beenden.
Das Eskalationsmodell macht deutlich, dass Bürgerbeteiligung früh beginnen muss, damit Konflikte nicht eskalieren.
