Zivilgesellschaft

Zivilgesellschaft beschreibt den gesellschaftlichen Bereich zwischen Staat, Markt und dem Privaten, der sämtliche Organisationen umfasst, die auf freiwilligen Zusammenschlüssen von Bürgerinnen und Bürgern beruhen.

Text: Prof. Dr. Andrea Walter, Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen

Die Zivilgesellschaft in Deutschland ist vielfältig und bunt: Zu ihr gehört der große Wohlfahrtsverband mit 750.000 Beschäftigten und 500.000 freiwillig Engagierten genauso wie die 13-köpfige, spontan gegründete Bürgerinitiative aus der Kleinstadt, die sich zum Bau einer Mülldeponie positioniert.

Zivilgesellschaft beschreibt den gesellschaftlichen Bereich zwischen Staat, Markt und dem Privaten, der sämtliche Organisationen umfasst, die auf freiwilligen Zusammenschlüssen von Bürgerinnen und Bürgern beruhen. Dieses Verständnis von Zivilgesellschaft hat sich in der Praxis durchgesetzt. Sie kann aber noch mehr bedeuten. So steht nach dem Historiker Jürgen Kocka Zivilgesellschaft auch für ein „zivilisiertes“, demokratisches Handeln, das idealtypisch von Gewaltfreiheit, Kompromissbereitschaft und Vertrauen geprägt ist sowie für die normative Auseinandersetzung mit der Frage, was eine gute Zivilgesellschaft in Bezug auf gesellschaftliche Teilhabe und Gerechtigkeit eigentlich ausmacht.

Zivilgesellschaftliche Organisationen (sog. ZGOs) weisen gemeinsame Merkmale auf, etwa sind sie gemeinwohlorientiert, nicht staatlich initiiert und nicht gewinnorientiert ausgerichtet. Zudem basieren sie in weiten Teilen auf Freiwilligkeit. Dass sie nicht profitorientiert agieren, grenzt sie klar von Wirtschaftsunternehmen ab. Aufgrund dieses zentralen Merkmals werden sie auch „NPOs“ (Non-Profit-Organisationen) genannt, ihr Wirkungsfeld entsprechend als Non-Profit-Sektor bezeichnet. Oft ist auch von sog. NGOs (Non-Governmental Organizations, deutsch: Nichtregierungsorganisationen) die Rede. Diese besondere Form zivilgesellschaftlicher Organisationen kennzeichnet eine hohe Professionalisierung (unter anderem in Bezug auf Kampagnenfähigkeit) und ein Wirkungsradius, der nicht auf Deutschland begrenzt ist. NGOs agieren primär als Anwältinnen für bestimmte Themen wie Klimaschutz oder Menschenrechte und verzichten teilweise bewusst auf öffentliche Fördermittel.

Der Non-Profit-Sektor umfasst in Deutschland insgesamt mehr als 650.000 zivilgesellschaftliche Organisationen. Der sogenannte ZiviZ-Survey untersucht in regelmäßigen Abständen ihre Entwicklung. Zum Sektor gehören mehr als 615.000 Vereine, etwa 24.000 Stiftungen bürgerlichen Rechts, circa 14.000 gemeinnützige Kapitalgesellschaften und um die 1.900 gemeinwohlorientierte Genossenschaften. Die vielen losen Gruppen wie Nachbarschafts- oder Bürgerinitiativen, Lesekreise oder so manche Selbsthilfegruppen sind in den 650.000 nicht enthalten – ohne Rechtsstatus tauchen sie in keinem Register auf.

Der überwiegende Teil der zivilgesellschaftlichen Organisationen basiert auf freiwilligem Engagement. Nur etwas mehr als ein Viertel der ZGOs verfügt über bezahlte Beschäftigte. In Deutschland engagieren sich aktuell etwa 27 Millionen Menschen, die Hälfte von ihnen im Kontext von Vereinen und Verbänden. Daneben sind Engagierte auch in öffentlichen Einrichtungen freiwillig tätig (zum Beispiel bei der Freiwilligen Feuerwehr) oder auch jenseits formaler Organisationsstrukturen (beispielsweise bei der Begleitung von Geflüchteten zu Behörden). Darauf verweist der aktuelle Freiwilligensurvey, der seit 1999 im Fünf-Jahresrhythmus von der Bundesregierung beauftragt wird. Er untersucht die Entwicklung des freiwilligen Engagements in Deutschland.

Quelle: Andrea Walter: Die Demokratie stärken: Warum zivilgesellschaftliches Engagement für eine Gesellschaft wichtig ist, abrufbar unter: https://www.bpb.de/themen/rechtsextremismus/infopool-rechtsextremismus/578192/die-demokratie-staerken-warum-zivilgesellschaftliches-engagement-fuer-eine-gesellschaft-wichtig-ist/, lizenziert unter CC BY‑NC‑ND 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/)

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