Kognitive Verzerrungen

Kognitive Verzerrungen sind unbewusste Denkmuster, die Wahrnehmungen und Entscheidungen beeinflussen und dadurch die Ergebnisse von Bürgerbeteiligungsverfahren verfälschen.

In Beteiligungsprozessen können folgende Verzerrungen auftreten:

Anker-Effekt:
Eine zuerst genannte Information wirkt als Bezugspunkt, an dem sich die weitere Diskussion unbewusst orientiert. Wird beispielsweise zu Beginn eines Beteiligungsverfahrens eine bestimmte Planungsvariante als bevorzugt präsentiert, kreist die Diskussion meist um diese Option, während andere Varianten in den Hintergrund treten.

Bestätigungsfehler:
Informationen werden unbewusst so wahrgenommen und bewertet, dass sie bestehende Überzeugungen stützen, während widersprechende Argumente ausgeblendet oder als weniger relevant angesehen werden. In Beteiligungsprozessen kann das nach Expertenvorträgen oder Diskussionsbeiträgen dazu führen, dass sich jeder Teilnehmende in seiner Meinung bestätigt sieht.

Framing-Effekt:
Je nachdem, wie eine Information präsentiert („gerahmt“) wird, reagieren die Teilnehmenden unterschiedlich auf dieselbe Information. Beispiel: Eine Projekt, bei dem „70 % der Grünfläche erhalten bleiben“, findet meist mehr Zustimmung als dasselbe Projekt mit der Information, dass „30 % der Grünfläche bebaut werden“ – obwohl der Sachverhalt identisch ist.

Gruppendenken → Groupthink

Verfügbarkeitsheuristik:
Informationen, die in den Medien besonders präsent sind, erscheinen wichtiger, als sie tatsächlich sind. Weniger bekannte, aber relevantere Informationen werden dagegen unterschätzt. Beispiel: Nach einem Verkehrsunfall wird die Verkehrssicherheit an dieser Stelle als drängendstes Problem wahrgenommen, obwohl andere Orte statistisch viel gefährlicher sind.

Prozessgestaltende können von folgenden Verzerrungen betroffen sein:

Ähnlichkeitsillusion:
Bei der Planung eines Beteiligungsprozesses kann die unbewusste Annahme, andere Menschen würden genauso denken und wahrnehmen wie man selbst, dazu führen, dass an den tatsächlichen Bedürfnissen der Zielgruppen vorbei geplant wird.

Fluch des Wissens:
Experten unterschätzen, wie schwer verständlich ihre Informationen für Laien sind. Dies führt bei einzelnen Teilnehmenden zu Verständnisproblemen und erzeugt Beteiligungsungleichheit.

Sunk-Cost-Fallacy:
Bereits investierte Ressourcen führen dazu, dass an einem Beteiligungsprozess festgehalten wird, obwohl Anpassungen oder sogar ein Abbruch naheliegen. Typische Argumentation: „Wir haben schon so viel investiert, jetzt können wir nicht mehr zurück.“

Kompetente Prozessbegleiter (er)kennen kognitive Verzerrungen und versuchen, sie durch eine passende Methodenauswahl auszugleichen. Teilnehmende sollten sich möglicher Verzerrungen bewusst sein und ggf. während des Prozesses darauf hinweisen.