Kompetenzen

Kompetenzen sind Fähigkeiten, Fertigkeiten, Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmale, die eine Person dazu befähigen, Bürgerbeteiligungsprozesse verantwortungsvoll und erfolgreich durchzuführen.

Bürgerbeteiligungsprozesse stellen hohe Anforderungen an die fachlichen, methodischen und persönlichen Kompetenzen der Prozessbegleitenden. Denn diese übernehmen eine zentrale Rolle beim inhaltlichen Austausch, der Vermittlung in Konflikten und der gemeinsame Erarbeitung von tragfähigen Lösungen.

Die für Bürgerbeteiligung relevanten Kompetenzen lassen sich verschiedenen Dimensionen zuordnen, auch wenn eine trennscharfe Abgrenzung nicht immer möglich ist. In Stellenausschreibungen werden die nachfolgenden Kompetenzen unterschiedlich häufig genannt. Einige sind grundlegender Standard, andere werden nur vereinzelt in spezifischen Kontexten gefordert.

Formale Qualifikationen Zugangsvoraussetzungen

Kompetenz Konkrete Ausprägung Ziel und Wirkung
Hochschulstudium Sozialwiss., Politikwiss., Stadtplanung, Kommunikationswiss., Geographie Sicherstellen von Methoden- und Kontextwissen als Einstiegsniveau
Berufserfahrung Beteiligung Mindestens 3–5 Jahre Praxiserfahrung mit Beteiligungsverfahren Operativer Transfer ohne lange Einarbeitungszeiten
Verwaltungslehrgang II / Beamtenbefähigung Alternativqualifikation für Laufbahngruppe 2 in Kommunen Laufbahnrechtliche Absicherung im öffentlichen Dienst
Mediations- / Moderationsausbildung Formale Zertifizierung, wünschenswert bei Beratungs- und Behördenstellen Professionalisierung der Prozessbegleitung; Qualitätssignal nach außen
Fachkompetenz – Methodisch Bürgerbeteiligungsfachwissen
Kompetenz Konkrete Ausprägung Ziel und Wirkung
Kenntnisse Beteiligungsmethoden Formate, Instrumente, formale/informelle Verfahren Auswahl geeigneter Verfahren je Kontext; methodische Souveränität
Moderationskompetenz Metaplan, Kartenabfrage, Szenarien, neutrale Gesprächssteuerung Ergebnisorientierte Prozessführung; Deeskalation; Konsensbildung
Konzeptionsstärke Mehrstufige Beteiligungskonzepte, strategische Papiere, Ablaufpläne Innovative Verfahren entwickeln; Qualitätssicherung von Anfang an
Prozesssteuerung Steuerung, Controlling, Evaluation, Dokumentation von Verfahren Nachvollziehbarkeit und Wirksamkeit von Beteiligungsprozessen sichern
Digitale Beteiligungsformate Beteiligungsportale, webbasierte Dialogformate Reichweite erhöhen; niedrigschwelligen Zugang zu Beteiligung ermöglichen
Präsentations- und Vortragskompetenz Adressatengerechte Aufbereitung, Visualisierung Komplexe Sachverhalte verständlich machen; Akzeptanz gewinnen
Evaluations- und Leitlinienentwicklung Qualitätsprüfung, Fortschreibung von Leitlinien und Leitfäden Lernende Organisation; langfristige Qualitätssteigerung
Fachkompetenz – Inhaltlich/rechtlich Fachliches Kontextwissen
Kompetenz Konkrete Ausprägung Ziel und Wirkung
Verwaltungswissen Verwaltungsstrukturen, einschlägige Kenntnisse Handlungsfähigkeit in administrativen Kontexten; rechtssichere Verfahren
Stadtentwicklung / Planungsrecht BauGB, BauNVO, Stadtentwicklungskonzepte, Planwerke Fachlich fundierte Begleitung räumlicher Vorhaben
Projektmanagement Planung, Angebotserstellung, Controlling, Dokumentation Effiziente Ressourcennutzung; Termintreue; Qualitätssicherung
Stakeholder-Management Monitoring, Analyse, Mapping, Einbindung relevanter Akteure Frühzeitige Konfliktprävention; Legitimität der Verfahren stärken
Öffentlichkeitsarbeit / PR Pressemitteilungen, Informationsmaterialien, Social Media Transparenz schaffen; Vertrauen in Prozesse aufbauen
Datenschutz (DSGVO) DSGVO, IFG Rechtssichere Verarbeitung von Beteiligungsdaten
IT-, KI-, CMS-Kenntnisse MS Office, Grafikprogramme, Content-Management-Systeme, Künstliche Intelligenz Eigenständige Pflege digitaler Infrastruktur; Effizienzgewinn
Kommunikative Kompetenz Interaktion und Sprache
Kompetenz Konkrete Ausprägung Ziel und Wirkung
Ausdrucksvermögen schriftlich/mündlich Klare Sprache, Berichte, Beschlussvorlagen, verständliche Kommunikation Zugänglichkeit von Informationen; professioneller Außenauftritt
Kommunikationsfähigkeit Personen- und situationsbezogener Austausch, aktives Zuhören Vertrauensaufbau; Missverständnisse vermeiden
Überzeugungs- und Verhandlungsstärke Argumentieren gegenüber Gremien, Investoren, Einwohnern Ziele durchsetzen; Interessenausgleich herstellen
Adressatengerechte Wissensvermittlung Fachinfos für Laien aufbereiten, zielgruppengerechte Kommunikation Inklusive Beteiligung; Abbau von Informationsasymmetrien
Fremdsprachenkenntnisse Englisch (B2–C2), vereinzelt weitere Sprachen Internationale Anschlussfähigkeit; Fachkontakte pflegen
Soziale Kompetenz Zusammenarbeit und Haltung
Kompetenz Konkrete Ausprägung Ziel und Wirkung
Kooperationsfähigkeit Konstruktive Zusammenarbeit mit Verwaltung, Zivilgesellschaft, Politik Netzwerkpflege; sektorübergreifende Wirkung erzielen
Konfliktfähigkeit Erkennen, Deeskalation, Kompromisssuche Prozessrobustheit; Verhinderung von Eskalationen
Empathie / Einfühlungsvermögen Perspektivwechsel, situationsangemessene Umgangsformen Niedrigschwellige Ansprache marginalisierter Gruppen; Vertrauen schaffen
Diversity- und interkulturelle Kompetenz Diskriminierungsfreier Umgang, Vielschichtigkeit wahrnehmen Inklusivität; Abbau von Beteiligungsungleichheit
Dienstleistungsorientierung Einwohner als Kunden verstehen, Beschwerdeoffenheit Responsivität der Verwaltung stärken; Legitimität erhöhen
Teamfähigkeit Gemeinsam auf Ziele hinarbeiten, Stärken anderer nutzen Synergien erzeugen; Arbeitsqualität steigern
Personale Kompetenz Selbststeuerung und Charakter
Kompetenz Konkrete Ausprägung Ziel und Wirkung
Selbstständigkeit / Eigeninitiative Eigenverantwortliches Handeln, proaktives Vorgehen Entlastung von Vorgesetzten; Innovationsfähigkeit sichern
Organisationsfähigkeit Strukturierte Planung, Priorisierung, Zeitmanagement Qualität und Termintreue
Belastbarkeit / Flexibilität Arbeit unter Zeitdruck, Abendtermine, rasche Einarbeitung Verlässlichkeit in dynamischen und konfliktbehafteten Situationen
Entscheidungsfähigkeit Zeitnahe, nachvollziehbare Entscheidungen unter Unsicherheit Prozesse nicht blockieren; Verantwortung sichtbar übernehmen
Kritikfähigkeit / Lernfähigkeit Konstruktiver Umgang mit Feedback, Fortbildungsbereitschaft Kontinuierliche Verbesserung; Reflexionsvermögen als Qualitätsmerkmal
Integrität und Diskretion Persönliche Integrität, politische Sensibilität Vertrauen aller Beteiligten; professionelle Neutralität wahren
Durchsetzungsvermögen Souveränes Auftreten, auch gegenüber Widerstand Zielorientierung sicherstellen; Beteiligungsqualität verteidigen

Prozessbegleitende erwerben Kompetenzen vor allem durch praktische Erfahrungen und reflektiertes Lernen in realen Beteiligungsprozessen, durch das Feedback von Kolleginnen und Kollegen, sowie durch Fortbildung, Coaching und Supervision. Die meisten Fähigkeiten werden im direkten Umgang mit unterschiedlichen Gruppen, unvorhergesehenen Situationen und konflikthaltigen Prozessen erworben.

In großen Beteiligungsprozessen ist es nicht nötig, dass jeder einzelne Prozessbegleitende alle erforderlichen Kompetenzen mit sich bringt. Entscheidend ist vielmehr die Zusammensetzung eines Teams, bei dem sich die jeweiligen Kompetenzen ergänzen.

Seit einiger Zeit bieten einschlägige Organisationen Aus-, Fort- und Weiterbildungen zum Erwerb von Kompetenzen in der Bürger- und Öffentlichkeitsbeteiligung an.