Kinder- und Jugendbeteiligung

Kinder- und Jugendbeteiligung bezeichnet die Mitwirkung von Kindern (bis etwa 14 Jahre) und Jugendlichen (bis etwa 18 Jahre) an Entscheidungsprozessen, die ihre Lebenswelt betreffen.

Das Recht auf Beteiligung ist in der UN-Kinderrechtskonvention (Artikel 12) verankert. Diese garantiert jedem Kind das Recht, seine Meinung in allen es betreffenden Angelegenheiten frei zu äußern und angemessen berücksichtigt zu werden. In Deutschland haben zahlreiche Bundesländer entsprechende Beteiligungsrechte in ihren Kommunalverfassungen festgeschrieben.

Die Bandbreite der Beteiligungsformen für Kinder und Jugendliche reicht von repräsentativen Formaten wie Kinder- und Jugendparlamente,  über offene Formate wie Kinder- und Jugendforen, Jugendhearings und Jugendkonferenzen, bis zu projektorientierten Formaten wie Zukunftswerkstätten, Ideenwettbewerbe, Phantasiereisen oder Ortsteilbegehungen.

Dabei wird häufig Gamification eingesetzt, also der Einsatz spieltypischer Methoden wie z. B. das Computerspiel Minecraft, Lego® Serious Play®, Planspiele, Rollenspiele oder digitale Abstimmungstools – Ansätze, die im Übrigen nicht nur in der Kinder- und Jugendbeteiligung, sondern auch in Beteiligungsverfahren für Erwachsene Anwendung finden.

Thematisch bezieht sich Kinder- und Jugendbeteiligung häufig auf lebensweltnahe Bereiche, z.B. die Planung und Gestaltung von Schulhöfen und Skateparks oder die die Sicherung von Schulwegen.

Beteiligungsprozesse in diesen Bereichen fördern die Identifikation mit dem eigenen Lebensumfeld, schaffen Selbstwirksamkeit und stärken demokratische Kompetenzen.

Ein besonderes Format stellt der Schülerhaushalt dar, bei dem Schülerinnen und Schüler über ein eigenes Budget entscheiden.

In manchen Kommunen bestehen Koordinierungsstellen für Kinder- und Jugendbeteiligung, die teilweise beim Jugendamt und teilweise beim jeweiligen Beteiligungsbüro angesiedelt sind.

Beteiligungsprozesse sind bei jungen Menschen immer auch Lern- und Bildungsprozesse. Deshalb erfordert erfolgreiche Kinder- und Jugendbeteiligung eine altersgerechte Ansprache, niedrigschwellige Zugänge, reale Entscheidungsspielräume sowie eine zeitnahe und sichtbare Umsetzung der Ergebnisse.

Ein strukturelles Problem besteht darin, dass die häufig langsamen politischen und administrativen Prozesse nur schwer mit den Lebensphasen und der Lebensrealität junger Menschen in Einklang zu bringen sind. Bei auf Dauer angelegten Formaten ist daher die Nachwuchsgewinnung eine ständige Aufgabe.

Grundsätzlich entsprechen die Anforderungen an Kinder- und Jugendbeteiligung den allgemeinen Qualitätskriterien guter Bürgerbeteiligung, müssen jedoch an die spezifischen Bedürfnisse und Lebenswelten junger Menschen angepasst werden.