Künstliche Intelligenz kann die Durchführung von Bürgerbeteiligungsprozessen erleichtern und Beteiligungsungleichheit verringern; sie birgt aber auch erhebliche Risiken.
KI kann Beteiligungsungleichheit verringern, indem sie z. B. komplexe Planungsunterlagen zusammenfasst und vereinfacht, in leichte Sprache übersetzt oder visualisiert. Mit Hilfe KI-gestützter (Simultan)Übersetzung können sprachliche Hürden abgebaut werden. Auf diese Weise kann KI Beteiligung fördern, weil mehr Menschen Informationen verstehen können. KI kann die Qualität von deliberativen Prozessen erhöhen und internationale deliberative Verfahren erleichtern.
Darüber hinaus erleichtert KI politisches Engagement, indem sie z.B. Bürgerinitiativen in die Lage versetzt, effektiver zu kommunizieren und einfacher zu mobilisieren.
Im Rahmen der formellen Öffentlichkeitsbeteiligung kann KI die Arbeit von Genehmigungsbehörden erleichtern, indem sie große Mengen von Eingaben automatisiert auswertet. Umgekehrt können Bürger KI nutzen, um eigene Stellungnahmen ohne großen Aufwand zu formulieren. Das senkt zwar die Hürden für Beteiligung, kann aber auch zu einem neuen Problem führen: Wenn sowohl die Formulierung von Einwendungen als auch deren Auswertung durch KI erfolgen, kann Beteiligung ins Absurde kippen.
In konkreten Beteiligungsverfahren kann KI die Arbeit von Moderatoren unterstützen, indem sie – insbesondere auf Online-Plattformen – Diskussionen strukturiert, Beiträge auswertet und große Mengen an Informationen verarbeitet. KI kann Moderatoren helfen, Beratungsergebnisse zu konsolidieren → Habermas-Maschine.
KI kann aber auch bestehende Ungleichheiten verstärken, da nicht alle Menschen in der Lage sind, sie angemessen oder überhaupt zu nutzen.
Darüber hinaus sind mit dem Einsatz von KI erhebliche Risiken verbunden. Ähnlich wie bei Internetsuchmaschinen besteht die Möglichkeit, dass fehlerhafte oder irreführende Informationen ausgegeben werden. Hinzu kommen Probleme wie verzerrte Ergebnisse („Halluzinationen“), eine geringe Transparenz algorithmischer Entscheidungen sowie Risiken im Bereich Datenschutz und Überwachung. Auch die Tendenz, KI-Auskünften übermäßig zu vertrauen, stellt eine besondere Herausforderung dar. Schließlich entsteht durch den Einsatz von KI eine wachsende Abhängigkeit von privat kontrollierten Technologien, deren Standards nicht notwendigerweise demokratischen Prinzipien verpflichtet sind.
KI-generierte Ergebnisse müssen daher immer von Menschen überprüft werden.
Insgesamt bietet KI die Chance, Beteiligung zu vereinfachen und zu verbessern, bringt aber auch Risiken mit sich. Wie sie wirkt, hängt letztlich davon ab, wie sie eingesetzt und geregelt wird. Entscheidend ist, dass KI den direkten Austausch zwischen Menschen nicht ersetzt → Habermolt.
