Spill-over-Effekt

Spill-over-Effekt (auch: Übertragungseffekt) ist die Auswirkung eines Bürgerbeteiligungsprozesses sowohl auf die Teilnehmenden als auch auf die Gesamtgesellschaft.

Auf der individuellen Ebene kann die Teilnahme an einem Beteiligungsverfahren zu Einstellungsveränderungen und zum Erwerb von Kenntnissen über politische und planerische Prozesse führen. Neue Fähigkeiten können erlernt werden – z.B. das Sprechen vor großen Gruppen. Diese Erfahrungen können das Gefühl der Selbstwirksamkeit stärken und zu einem weitergehenden politischen Engagement führen – etwa zur Wahlteilnahme, Mitgliedschaft in einer Partei oder Mitarbeit in einer zivilgesellschaftlichen Organisation.

Unklar ist, ob die Teilnahme an deliberativen Prozessen zu substantiellen und dauerhaften Verhaltensänderungen führt – also ob z.B. die Mitwirkenden an einem Klima-Bürgerrat tatsächlich persönliche Beiträge zum Klimaschutz leisten, wie den Verzicht auf Flugreisen, geringere Heizenergieverbräuche oder den Kauf regionaler und saisonaler Lebensmittel (Attitude-Behavior-Gap).

Gesamtgesellschaftlich können Spill-over-Effekte entstehen, wenn Teilnehmende ihre Erfahrungen aus Beteiligungsprozessen an ihr soziales Umfeld weitergeben (contagion) oder wenn die Medien über einen Beteiligungsprozess und dessen Ergebnisse (positiv) berichten (cultivation).

Dabei lassen sich drei Typen des gesamtgesellschaftlichen Spill-over-Effekts unterscheiden:

  • Deliberativer Spillover: Nicht-Teilnehmende übernehmen inhaltliche Argumente oder verändern ihre Meinung, weil sie von der Qualität der Deliberation überzeugt sind.
  • Legitimations-Spillover: Nicht-Teilnehmende akzeptieren Beteiligungsergebnisse unabhängig davon, ob sie diese inhaltlich teilen, weil sie wissen, dass gewöhnliche Menschen einbezogen wurden.
  • Agenda-Setting-Spillover: Der Beteiligungsprozess verändert zwar nicht die individuellen Einstellungen, sorgt aber dafür, dass in der Öffentlichkeit über das behandelte Thema ausführlich diskutiert wird.

Spill-over-Effekte können auch in die entgegengesetzte Richtung wirken: Wenn Beteiligung als Scheinbeteiligung wahrgenommen wird, kann dies zu Frustration, Politikverdrossenheit und Reaktanz führen (Backfire-Effekt). Schlechte Beteiligungserfahrungen können das Vertrauen in demokratische Institutionen nachhaltig beschädigen.

Empirisch nachgewiesen sind individuelle und gesamtgesellschaftliche Spill-over-Effekte bisher nur ein Einzelfällen.