Zufallsauswahl ist eine Methode zur Gewinnung von Teilnehmenden an einem Bürgerbeteiligungsverfahren per Los. Sie soll sicherstellen, dass Menschen aus verschiedenen Lebenslagen, mit unterschiedlichen Wertvorstellungen und konträren politischen Einstellungen teilnehmen.
Bei der Zufallsauswahl werden Personen aus dem Einwohnermelderegister zufällig ausgewählt und zur Teilnahme eingeladen. Um die Vielfalt der Gesellschaft möglichst gut abzubilden, wird in der Regel eine geschichtete Zufallsauswahl angewandt, die Kriterien wie zum Beispiel Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Wohnort, Migrationshintergrund sowie ggf. themenspezifische Merkmale berücksichtigt.
Die Zufallsauswahl erhebt nicht den Anspruch, statistisch repräsentativ zu sein. Ihr Ziel ist vielmehr, eine Teilnehmendengruppe zusammenzustellen, die die Bevölkerung in ihrer Breite widerspiegelt. Die Methode bringt Menschen zusammen, die über andere Rekrutierungsverfahren kaum erreicht werden können.
Die geschichtete Zufallsauswahl erfolgt typischerweise in mehreren Schritten:
- Stichprobenziehung: Zufällige Auswahl einer größeren Gruppe aus dem Einwohnermelderegister.
- Einladung: Anschreiben mit Informationen zum Verfahren und der Bitte um Rückmeldung. Da die Rückmeldequoten typischerweise im Bereich von etwa 3 – 10 Prozent liegen, gibt es häufig mehrere Einladungswellen. Menschen mit höherem Bildungsabschluss und positiver Einstellung zu Partizipation reagieren meist schneller, während bildungsferne Gruppen seltener unmittelbar zusagen. Daher wird zunehmend auf aufsuchende Beteiligung gesetzt, um diese Gruppen gezielt anzusprechen und zur Teilnahme zu gewinnen.
- Geschichtete (stratifizierte) Auswahl: Aus den Zusagen wird eine Gruppe zusammengestellt, die die definierten demografischen Kriterien erfüllt.
Kritiker der Zufallsauswahl stellen ihre politische Legitimität infrage, da die auf diese Weise gefundenen Teilnehmenden weder ein Mandat der Wählerschaft besitzen, noch jemandem rechenschaftspflichtig sind. Angesichts der fehlenden Möglichkeit zur Eigenbewerbung und Selbstrekrutierung wird bezweifelt, dass eine kleine Gruppe – selbst wenn sie die Breite der Bevölkerung abbildet – für die Gesamtbevölkerung sprechen kann. Schließlich wird befürchtet, dass Außenstehende die Ergebnisse eines zufällig ausgewählten Gremiums nicht akzeptieren, wenn diese nicht den eigenen Präferenzen entsprechen. Ein Spill-over-Effekt ist derzeit nicht zu beobachten.
Nichtsdestotrotz ist die Zufallsauswahl derzeit die beste Methode, um Beteiligungsungleichheit zu verringern.
