Digitale Beteiligung

Digitale Beteiligung (auch: E-Partizipation, Online-Beteiligung, elektronische Bürgerbeteiligung) ist Bürgerbeteiligung mit Hilfe von digitalen Medien und dem Internet.

Digitale Beteiligung findet sich auf allen Stufen der Bürgerbeteiligung.

Der Information dienen z. B. Projektwebsites, Newsletter, Open-Data-Portale, Ratsinformationssysteme, Social-Media-Beiträge und spezielle Apps. Zur Veranschaulichung von Planungsvorhaben kommen z.B. 3-D-Visualisierungen, Simulationstools, virtuelle Rundgänge und Augmented-Reality-Anwendungen zu Einsatz.

Der Konsultation dienen z. B. Beteiligungsplattformen, auf denen Ideen und Vorschläge eingebracht werden können, die andere Teilnehmende kommentieren und bewerten können. Digitale Karten, auf denen Orte markiert und Hinweise verortet werden können („Crowdmapping“), dienen der Abgabe von Hinweisen und Kommentaren zu Planungsvorhaben.

Der Kollaboration dienen ebenfalls Beteiligungs- und Dialogplattformen sowie Diskussionsforen und Apps, die eine gemeinsame Erarbeitung von Dokumenten ermöglichen. Online-Workshops bilden klassische Präsenz-Workshops im Internet nach.

Online-Beteiligung kann zur Barrierefreiheit beitragen und einzelne Aspekte der Beteiligungsungleichheit verringern:

  • Da keine physische Anwesenheit zu einem bestimmten Zeitpunkt erforderlich ist, kann die Nutzung von Beteiligungsplattformen unabhängig von Ort und Zeit erfolgen.
  • Da die Kommunikation nicht nur über Wortbeiträge in großer Runde, sondern z. B. auch über Chats erfolgen kann, ist sie niedrigschwelliger.
  • Zur weiteren Senkung von Hemmschwellen kann die Beteiligung anonym erfolgen (sofern der Veranstalter das zulässt).

Insbesondere in der Kinder- und Jugendbeteiligung kann mit Hilfe von Gamification — etwa Serious Games, Planspiele und Simulationen — Beteiligung spielerisch erfolgen.

Für die Veranstalter bietet Online-Beteiligung den Vorteil, dass eine vollständige Dokumentation aller Beiträge und deren Auswertung – vorbehaltlich der Zustimmung der Teilnehmenden – problemlos möglich ist. Zudem können unsachliche Beiträge auf Beteiligungsplattformen entfernt und Online-Diskussionen bei Bedarf leichter moderiert werden. Schließlich sind viele Online-Verfahren kostengünstiger als aufwendige Präsenzformate.

Aufgrund der digitalen Spaltung („digital divide“) kann Online-Beteiligung allerdings dazu führen, dass nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen Zugang haben.

  • Menschen mit geringen digitalen Kompetenzen oder ohne angemessene technische Ausstattung können ausgeschlossen sein.
  • Die Qualität der Deliberation kann geringer ausfallen als in moderierten Präsenzdiskussionen.
  • Meinungsstarke oder ressourcenstarke Gruppen können – mehr noch als bei Präsenzverfahren – unverhältnismäßig mobilisieren und dadurch Diskussionen dominieren.

Digitale Beteiligung kann Beteiligungsungleichheit verlagern, anstatt sie zu beseitigen.

Bei hybrider Beteiligung finden Online- und Präsenzformate gemeinsam statt. Dadurch lassen sich Reichweite und Niedrigschwelligkeit digitaler Formate mit den Vorteilen persönlicher Begegnung verbinden. Allerdings steigt der organisatorische und finanzielle Aufwand erheblich, da beide Kanäle parallel geplant, moderiert und ausgewertet werden müssen. Zudem ist es methodisch anspruchsvoll, Unterschiede in der Beteiligungsqualität auszugleichen und Beiträge aus Online- und Präsenzformaten gleichwertig zu integrieren, ohne dass ein Kanal dominiert.

Bei blended participation werden im Rahmen eines größeren Beteiligungsverfahrens sequentiell verschiedene analoge und digitale Formate nacheinander oder ergänzend eingesetzt (z. B. erst Online-Ideensammlung, dann Präsenz-Workshop, abschließend Online-Abstimmung).

Bei crossmedialer Beteiligung stehen verschiedene Medienkanäle (Präsenz, Social Media, Apps) gleichwertig nebeneinander oder parallel, oft mit Fokus auf synchrone Nutzung (z. B. Live-Stream einer Bürgerversammlung mit Chat-Möglichkeit).

Digitale Beteiligung ist heute unverzichtbar, jedoch nur begrenzt geeignet, Beteiligungsungleichheit zu reduzieren. Auch hier ist eine gezielte Ansprache sozial benachteiligter Gruppen notwendig.